Wenn man mir vor ein paar Jahren gesagt hätte, dass ich einmal mit einem bunt beklebten Bus durch Europa tuckern würde, um eine Wandergruppe voller friedensbewegter Menschen zu begleiten, hätte ich vermutlich gelacht und gefragt: „Und wer soll mir die Dieselrechnung bezahlen?“ Doch im Mai 2025 war es so weit: Ich war der Fahrer des legendären Friedensmobils der DFG-VK – unterwegs bei der großen Friedenswanderung der Naturfreunde Deutschlands e.V. unter dem Motto „Frieden in Bewegung“.
Der Auftakt in Den Haag – Zwischen Weltgerichtshof und Kreisverkehrsdrama
Los ging es in Den Haag, der Stadt des Friedens und der Gerechtigkeit. Wo sonst könnte man eine solche Aktion starten? Während die Wandergruppe vor dem Internationalen Gerichtshof ihre ersten Banner entrollte und lautstark „Frieden in Bewegung!“ rief, kämpfte ich mich mit dem Bus durch niederländische Kreisverkehre. Der Navi meinte rechts, die Schilder meinten links – ich entschied mich für den Mittelweg: Menschen fragen. Eine ältere Dame mit Fahrrad lächelte und sagte sinngemäß: „Fahr einfach da lang, wo’s friedlich aussieht.“ Genau mein Humor.
Von Anfang an war klar: Hier ging es nicht nur um Kilometer, sondern um Begegnungen, Botschaften und die Idee, Frieden sichtbar zu machen – Schritt für Schritt und Radumdrehung für Radumdrehung.
Holland von seiner schönsten Seite – Käse, Windmühlen und neugierige Blicke
Die ersten Tage führten uns quer durch die Niederlande. Während die Wandernden marschierten, rollte ich mit dem Friedensmobil parallel durch kleine Ortschaften, transportierte Wasserkanister, Info-Material und gelegentlich auch erschöpfte Füße.
Das Motto „Frieden in Bewegung“ zeigte seine Wirkung schon hier: Überall, wo wir auftauchten, blieben Menschen stehen. Kinder winkten, Radfahrer grinsten, ältere Leute fragten neugierig: „Wat is dat voor een mooie bus?“ („Was ist das für ein schöner Bus?“). Sobald das Wort „Frieden“ fiel, gab’s Daumen hoch. So wurde aus der Bewegung einer Wandergruppe ein Stück internationale Verständigung – ganz praktisch am Straßenrand.
Grenzübertritt nach Deutschland – Willkommen im Ruhrpott
Nach einigen Tagen hieß es: Raus aus Holland, rein ins Ruhrgebiet. Wer denkt, dass dort nur graue Industrie wartet, liegt schief. Der Ruhrpott hat Herz. Und wie!
Schon die ersten Kilometer zeigten: Hier wird nicht lange gefackelt. „Wat macht ihr denn hier?“, fragten Bauarbeiter, die uns von ihrem Gerüst herunter zuwinkten. „Frieden in Bewegung!“, riefen die Wanderer zurück – und plötzlich klatschte der halbe Straßenzug Beifall.
Ob in Duisburg, Essen oder Dortmund: Überall stießen wir auf Neugier, offene Ohren und manchmal auch auf hitzige Diskussionen. Manche wollten wissen, warum man für Frieden eigentlich laufen muss. Andere erzählten von den Friedensdemos in den Achtzigern, an denen sie selbst dabei gewesen waren. So wurde der Ruhrpott für uns zu einer lebendigen Geschichtsstunde – voller ehrlicher Worte und direkter Begegnungen.
Alltag als Fahrer – Mein Bus, der Alleskönner
Während die Wandernden Schritt für Schritt unterwegs waren, war das Friedensmobil im Dauereinsatz. Für mich hieß das: ständig improvisieren. Mal war der Bus Pausenraum, mal Infostand, mal Krankenwagen light. Einmal luden wir spontan eine Musikanlage auf, um bei einer Kundgebung für Stimmung zu sorgen – und plötzlich war der Bus Konzertbühne.
Natürlich ging auch mal was schief: Mein Navi schickte mich wiederholt in Sackgassen. „Das ist bestimmt die Abkürzung zum Weltfrieden“, witzelte jemand. Am Ende fanden wir trotzdem immer ans Ziel – weil bei „Frieden in Bewegung“ nicht der kürzeste Weg zählt, sondern der gemeinsame.
Der große Abschluss in Bremen – Frieden sichtbar gemacht
Nach vielen Etappen, Gesprächen und Kilometern erreichten wir schließlich Bremen. Die letzte Strecke war ein einziges Fest: Fahnen flatterten, Parolen wurden lauter, und alle wussten: Wir haben es geschafft.
Auf dem Bremer Marktplatz wartete die große Abschlusskundgebung. Musik, Reden, Begegnungen – und mittendrin das Friedensmobil, diesmal wie eine kleine rollende Ehrentribüne. Für mich war das der Moment, an dem sich alles rund anfühlte: Aus einer einfachen Wanderung war eine Bewegung geworden, aus „Frieden in Bewegung“ eine gelebte Erfahrung.
Mein persönliches Fazit
Die Friedenswanderung von Den Haag nach Bremen war kein gewöhnlicher Ausflug. Es war eine Reise voller kleiner und großer Geschichten, voller Humor, Improvisation und Begegnungen. Für mich als Fahrer war es eine Lektion darin, dass Frieden nicht abstrakt ist, sondern in ganz alltäglichen Momenten entsteht – wenn man sich zuhört, wenn man ein Stück des Weges gemeinsam geht, wenn man ein Lächeln zurückbekommt.
„Frieden in Bewegung“ – das Motto hat sich für mich mehr als erfüllt. Ich habe gesehen, wie aus Worten Taten wurden, wie aus einer Wanderung ein Netzwerk entstand und wie ein Bus zum Symbol dafür werden konnte, dass Bewegung und Frieden untrennbar zusammengehören.
Würde ich das wieder machen? Klar. Mit Navi, belegten Broten – und einem Bus, der vielleicht irgendwann nicht nur Diesel, sondern auch Hoffnung tankt.